Kraftwerk Datteln Block 4 - E.ON nimmt Antrag auf Teilgenehmigung 6 zurück

5. Juni 2011 | Von Trinity | Kategorie: Aktuelles, Datteln Block4

Die Rücknahme des Antrages zur Erteilung der Teilgenehmigung Nr.6 (TG6) überrascht - nicht wirklich

Jetzt ist es amtlich: E.ON hat bei der Bezirksregierung in Münster den vor fast 2 1/2 Jahren gestellten Antrag auf die Teilgenehmigung Nr. 6 (TG6) zurückgenommen.

Die TG6 umfaßt baulich die Errichtung der Abwasserleitung DN300 in GFK-Qualität - ab der Nord-West-Seite des DEK bis zum Pumpwerk Beisenkamp - sowie eine 110kV-Notstromkabel-Versorgung.

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Beide Verfahren liegen seit dem OVG-Urteil vom 3. September 2009 auf Eis

Das Genehmigungsverfahren zur TG6 (Antrag unter dem 21. Januar 2009) liegt seit dem OVG-Urteil vom 03.09.2009 auf Eis, genau wie das Verfahren zur ´Indirekteinleitung´ (Antrag unter dem 08. Mai 2009). Zu beiden Verfahren sind Einwendungen eingereicht, aber es ist noch nichts erörtert oder gar entschieden, geschweige denn gebaut, jedenfalls nicht zwischen Kraftwerk und Pumpwerk Beisenkamp. – Beide Genehmigungsanträge haben den Abtransport des Abwassers zum Thema, behandeln also im Grunde die gleichen Sachverhalte, jedenfalls sollten sie dies.

Antragsrücknahme könnte für E.ON peinlich werden

Es stellt sich die Frage, was E.ON bewogen haben könnte, den Antrag zur TG6 so ´still und heimlich´ zurück zu nehmen (auch 10 Tage danach ist eine öffentliche Information von E.ON nicht bekannt !)

Es steht zu erwarten, dass E.ON den Antrag neu ´aufrollen´ wird (schließlich will man mit Datteln4 ans Netz). Dabei ist eine Angleichung an die Verfahrenstechnik des ´Indirekteinleitung-Antrags´ wahrscheinlich, d.h. es würde nun deutlich publik, dass nicht ein relativ sauberes Kühlwasser, sondern eine Art Dünnsäure die Lippe erreichen wird.

Auch die Frage, “warum E.ON fast 2 1/2 Jahre lang den Antrag aufrecht erhielt, trotz der signifikanten Abwassertechnik-Unterschiede in den beiden Verfahren”, könnte peinlich werden. Der öffentliche Eindruck, dass hier nicht nur der Versuch einer Täuschung vorliegt, dürfte kaum zu vermeiden sein. Was dies für eventuelle spätere Klageverfahren bedeuten kann, mit Blick auf eine dort wünschenswerte Glaubwürdigkeit, liegt auf der Hand.

Rücknahme aus unserer Sicht nicht überraschend

Wir hatten in den letzten 2 Jahren mehrfach von den erheblichen Unterschieden in den Verfahrenstechniken der beiden - aufeinander aufbauenden - Genehmigungsverfahren berichtet (siehe Link-Liste unten).

Angesichts der deutlichen Widersprüche - in der Abwasserqualität in Richtung Lippeverbandklärwerk - ist es naheliegend, die Gründe der Antrags-Rücknahme gerade in diesen Umständen zu suchen.

  • lt. “Antrag auf die TG6″ soll eine Abwasserleitung für den Transport von Kühlturmabflut gebaut werden. Kühlturmabflut wäre eine relativ saubere Abwasserqualität (wenn man mal auf die Kontaminierung mit Schwermetallen und Säureresten im Kühlturmkamin absieht).
  • lt. “Antrag auf Indirekteinleitung” soll aber die Kühlturmabflut praktisch vollständig als Prozesswasser in der Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) zum Ansetzen der Kalkmilch-Suspension verwendet werden. In Richtung Lippeverbandklärwerk (Mühlenbach) kommt somit eine hoch korrosive und mit erheblichen anorganischen Schwefelsäurebeladungen belastete Abwasserfracht - in Dünnsäure-ähnlicher-Qualität - zur Einleitung in die Lippe.

E.ON hatte somit - nur gut 3 Monate nach TG6-Antragstellung - eine völlig andere, d.h. schadstoffreiche Abwassertechnik und -qualität in seinen Antragsunterlagen benannt, ohne jede Erklärung dieser Änderung ! Auch das Abwasserschema wurde - auch ohne jeden Hinweis - entscheidend gegenüber dem TG6-Antrag geändert.

“Dauernd wechselnder Vortrag geht regelmässig zu Lasten des Vortragenden”

Wer mehrfach seinen Vortrag ändert, der darf sich nicht wundern, wenn ihm keiner mehr glaubt. Eine Binsenweisheit.

Hier noch einmal (in grafischer Form) die chronologisch eingereichten Abwasserschemata. Wir ersparen E.ON an dieser Stelle (noch) die genaue Zitierung der zugehörigen Textpassagen.

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In 2006 (TG1-Antrag) weist E.ON die Kühlturmabflut als Prozesswasser aus

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In 1/2009 weist E.ON im TG6-Antrag die Kühlturmabflut als Abwasser in Richtung Lippe aus, mit dem Argument: "Dieses (die Abflut) kann infolge der Wasserqualität (Eindickung etc.) nicht mehr der REA zugeführt bzw. in anderen Betriebskreisläufen weiterverwendet werden“ - Diese Version ist mit der Rücknahme des TG6-Antrages vom 23.05.2011 nun ´Geschichte´

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In 5/2009 (nur knapp 4 Monate nach TG6-Antragstellung) ist die Kühlturmabflut dann wieder salonfähig. Praktisch die gesamte Abflutmenge wird nun wieder als Prozesswasser genutzt. Der Lippe wird dann das säurehaltige REA-Abwasser zugeführt, ggf. leicht verdünnt mit einem kleinen Rest von Kühlturmwasser.

Leitungen auf dem Kraftwerksgelände bereits gebaut - doch deutlich grösser

Die Abwasser-Leitungen sind tatsächlich bereits verbaut, allerdings nur auf dem Kraftwerksgelände, alles komplett in hochkorrosivfestem GFK (GlasFaserverstärkterKunststoff). Dabei ist besonders bemerkenswert, dass die verlegten Leitungsdurchmesser auf dem Gelände deutlich größer sind als im TG6-Antrag (für die Verlegung außerhalb des Kraftwerkgeländes) angegeben. Laut Antrag soll DN300 außerhalb des Kraftwerks verlegt werden, auf dem KW-Gelände (und wahrscheinlich auch auf der Kanalbrücke) wird wohl mindestens in DN600 ausgeführt. Doppelter Durchmesser heißt 4-facher Querschnitt ! Das würde dann für Da4+Da5+Da6+Da7 ausreichen !

Fotos/Montage : © by aufpunkt.de


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