E.ON Kraftwerk Datteln4 - Wie “belastbar” ist das “Kment-Gutachten”

15. September 2011 | Von Alina | Kategorie: OVG-Entscheidungen

Eine erste Durchsicht

Seit Anfang August liegt der Entwurf zur Änderung des Regionalplans im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung aus (bis Ende Oktober). Die Unterlagen füllen mehrere dicke Ordner. Der Stoff ist nicht gerade das, was man leichtverdaulich nennt.

Die Beschlussfassung des RVR zur Planänderung beruht im Wesentlichen auf dem Gutachten von Herrn Privatdozent Dr. Martin Kment (Münster/Cambridge).

Ein erster Blick in das ´Kment-Gutachten´ sieht düster aus

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Es sieht immer düsterer aus um Datteln4

Das im Auftrag und auf Rechnung von E.ON erstellte Gutachten umfasst 155 Seiten (das Gutachten - als pdf - kommt nach einem Klick auf die folgende Deckblatt-Grafik).

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Der "Eingang" zum Gutachten von Dr. Kment

Wir wollten nun wissen, wie belastbar der Inhalt dieses hochgelobten Gutachtens nun ist. Bereits nach dem Studium der ersten 9 Seiten (!) haben wir unseren Durchblick verloren/aufgegeben. Denn schon beim ersten Einblick stolperten wir über einige ´dicke Flüchtigkeitsfehler´, die u.E. in so einem Gutachten einfach nicht passieren dürfen.

Hier die Passagen:

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Welch eine gigantische Fernwärmezentrale Datteln4 doch werden soll !!! - Gemeint ist sicherlich die Feuerungsleistung.

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Hier hätten wir die aktuelle und richtige Zahl "413 MW" erwartet

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Welche Versorgungslücke ? Eine solche wird hier alleine durch den Gebrauch des Wortes ´herbeigeschrieben´. Zum ´Auffangen´ hätte ein mittleres GUD-Kraftwerk am Standort Rieselfelder völlig ausgereicht.

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Warum eigentlich eine neue Trasse ? Die bestehende alte Trasse reicht doch vollständig aus, um die Leistung von Da4 aufzunehmen. So steht es jedenfalls im Gutachten von Prof. Dr.Verstege und Dr. Schäfer aus Februar 2008 (erstellt überwiegend im Dezember 2007 mit/i.A. von RWE - für das KW Trianel Lünen). Allerdings hatte RWE im Januar 2008 im EÖT für E.ON Da4 dann behauptet, auf der alten Trasse sei keine ausreichende Kapazität mehr frei. Von dem ´in Arbeit befindlichen Möglichmachungs-Gutachten eines Transportes auf der alten Trasse von 1.600 MW für neue Kraftwerke in Lünen´ im eigenen Hause kein Wort. - Ein transparente glaubwürdige und ergebnisoffene Planung ´auf der grünen Wiese´ sieht jedenfalls anders aus.

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Nein, so ist es nicht. Richtig ist, dass in allen Betriebspunkten immer die gesamte erzeugte 50Hz-Leistung zunächst in das 380kV-Höchstspannungsnetz in Richtung Do-Mengede eingespeist wird. Jeglicher Bahnstrom wird aus diesem Höchstspannungsnetz ´rückwärts´ wieder entnommen und noch einmal 3 mal(!!!) zusätzlich umgespannt, mit den entsprechenden Wirkungsgradverlusten.- Es ist ein hartnäckiges Märchen, dass die Bahnstrommenge direkt in die Bahnstromschiene eingespeist werden soll.

Nach nur 9 Seiten haben wir aufgehört, das Gutachten von Herrn Kment weiterzulesen. Alles andere ist unzumutbar.

Wie geht es weiter ?

Diese Frage stellt sich nicht nur für die Baustelle, sondern auch für das Gutachten. Wenn schon die Prämissen fehlerhaft gesetzt sind, dann besteht die begründete Vermutung, dass die daraus sich ergebenden Schlüsse ebenfalls fehlerbehaftet sind.

Es kann wohl kaum unsere Aufgabe sein, ein Gutachten, welches ganz offensichtlich gröbste Fehler aufweist, auf seine Richtigkeit zu prüfen. Dies gilt besonders, wenn anzunehmen ist, dass man im Hause E.ON das Gutachten wohl selbst nicht vor der Veröffentlichung ´quergelesen´ hat. Das hat schon Ähnlichkeit mit “Bananensoftware” - die reift nämlich auch erst beim Kunden.

Angesichts der hochgepriesenen Transparenz und gelobten Besserung sind diese Patzer kaum verständlich und nicht zu verzeihen. Die Frage stellt sich, wie man Herrn Kment mit einer so wenig belastbaren ´Ausgangslage´ ausstatten konnte?


Foto  :  © by aufpunkt.de - 2011

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2 Kommentare
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  1. Hallo Aufpunkt Team,
    gut recherchiert, damit schießen sich diejenigen, die Transparenz und Offenheit predigen, selbst ins Knie.
    Herr Kment hat mit diesem mangelhaften Gutachten seine Neutralität als Gutachter verspielt. Ich stelle mir die Frage, ob er das Gutachten überhaupt erstellt hat, oder ob er für E.ON nur als Wackeldackelgutachter unterschrieben hat. Na ja, für sein Bankonto hat es sich sicherlich gelohnt.
    An das Aufpunkt Team: weiter so und versuchen, sowohl die Öffentlichkeit als auch die überregionale Presse auf dieses mangelhafete Gutachten hinzuweisen. Es scheint so, dass die lokale Presse wie die Dattelner Morgenpost mit diesem Thema ähnlich überfordert ist, wie der Dattelner Rat.

  2. Macht weiter so.
    Einmal eine Einladung an alle … Samstag bietet Ruhrzink eine Grillparty auf dem Giftmüll an.
    Um zahlreiches erscheinen wird gebeten.

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