HGÜ-Versuche in Datteln - Und ewig singen die Wiesen

26. Juli 2012 | Von uwit | Kategorie: Energiewende

HGÜ-Versuche wurden ausgeweitet

Über die Dattelner HGÜ-Versuche hatten wir bereits mehrfach berichtet (siehe Linkliste unten). Aus gegebenem Anlass ist dazu inzwischen zu ergänzen.

Eigentlich sollten die HGÜ-Versuche zur Ultranet-Technik (Wechsel- und Gleichstrom-Höchstspannungssysteme auf gemeinsamen Masten) Ende Mai 2012 beendet sein. So war es von Amprion beantragt. Sehr früh (24.04.2012) trat Amprion auch an die Öffentlichkeit und verkündete bereits damals den Erfolg des Versuchsprojektes.

Wo sind die ´erfolgreichen´ Meßwerte ?

Worin die - früh gemeldeten - Erfolge bestehen, wissen wir bis heute nicht. Das macht nachdenklich und stutzig. Was macht es so schwer, erfolgreiche Versuchsergebnisse wenigstens im Groben öffentlich zu machen? Oder sind die Ergebnisse vielleicht garnicht so positiv? Das würde so manches erklären. Z.B. die plötzliche Ausdehnung des Versuchszeitraumes bis in den Spätsommer 2012, ohne das genaue Ende zu definieren und vor allen, ohne die Gründe dafür zu benennen.

Zu den Ergebnissen/Nebenwirkungen fragen sie nicht ihren Apotheker, sondern lesen sie hier

Wir hatten bereits über die knisternden Nebenwirkungen der Höchstspannungsimpulsgeneratoren berichtet. Das war schon gespenstig und fühlte sich garnicht gesund an.

Vor allem interessieren die Meßwerte zu den elektrischen und - insbesondere - den magnetischen Feldern, die von der Ultranet-Trasse ausgehen. Schließlich gibt es bis heute keine Richt- oder Grenzwerte in der einschlägigen 26. BmSchV dazu für Gleichstrom mit der Frequenz=0 Hz.

Dagegen gibt es aber zahlreiche Veröffentlichungen, die darauf hinweisen, dass Gleichstrom-Höchstspannung zu erheblich höheren Belastungen - gegenüber 50Hz-Wechselstrom oder auch 16 2/3Hz-Bahnstrom - führt! Dass hierzu von der Versuchsleitung immer noch keine Werte veröffentlicht wurden, gibt Anlass zur Sorge. Man könnte auch vermuten, dass sich die zu erwartenden hohen Feldstärken bestätigt haben.

Wir können zwar nicht die Meßwerte schätzen oder erraten, aber immerhin können wir über die subjektiven Eindrücke berichten. Das ist auch eine Form von Ergebnis.

mast_3-loringhof_936x906

Kaum ratsam, den Wirtschaftweg hier während der Versuche zu verlassen und die Wiesen zu betreten

Und ewig singen die Wiesen

Am 23. Juli 2012 - die Versuchsanlage war in Betrieb - durften/mussten wir wieder ein seltsames physikalisches Schauspiel erleben. Bei einem Spaziergang unterhalb des Mastes Nr.3 war es kein Knistern, sondern ein fließähnliches Geräusch, welches eindeutig in den Wiesen unterhalb der Beseilung seinen Ursprung hatte. Es schien so, als würde hier neuerdings ein Bächlein fließen, als würden die Wiesen singen.

Die Erklärung ist einfach: der Montag, der 23. Juli war der erste sonnige Tag - nach Wochen, in denen die größten Regenmengen für einen Juli gefallen sind. Die Wiesen standen noch tief unter Wasser. Als dann am 23. Juli endlich die Sonne schien und die Temperatur auf ca. 25 Grad C anstieg, fingen die Wiesen an zu “dampfen”. Über den Gräsern stand eine dicke Schicht feucht-warmer Luft, die von den elektrischen und magnetischen Feldern stark ionisiert war, sodass die sich entladenden Dämpfe für die plätschernde Geräuschkulisse sorgte. Das klang zwar einerseits gleichmässig eintönig und beinahe beruhigend, war aber angesichts des fehlenden Baches/Wassers ziemlich unheimlich und wirkte eher wie eine Warnung vor etwas Unbekanntem. So als wollten die Wiesen uns singen: “Bleibt lieber fern, hier ist es ziemlich spannend, ihr könntet ziemlich geladen nach Hause gehen”.

Wie hoch müssen die elektrischen/magnetischen Felder sein, um solche Phänomene am Boden auszulösen? Immerhin ist der Abstand zur Beseilung ziemlich groß, da der Abspannmast Nr. 3 zu den größeren Masten gehört.

Seit der 32. KW wird zurückgebaut - der Löringhof ist wieder etwas sicherer

Die Versuche scheinen beendet worden zu sein. Die Anlage befindet sich seit der 32. KW im Rückbau. Die Anbindungen an die 380kV-Beseilung und auch die Hochspannungsimpulsgeneratoren und auch die kugelige Meßsonde sind inzwischen fast vollständig abgebaut. Ein Spaziergang im Löringhof ist wieder sicherer.

Versuche waren wohl nicht sehr erfolgreich

Es mangelte zwar nicht an Erfolgsmeldungen, die kamen sehr früh und eher plakativ daher. Erfolge vermeldet man in der Regel auch mit den zugehörigen inhaltlichen Daten (wenn das denn im Sinne der Sache ist !). Das ist hier nie der Fall. Zwar wurden Funk, Fernsehen und die schreibende Zunft mit der Verbreitung von Erfolgsnachrichten beschäftigt, doch worin diese Erfolge liegen, das bleibt ein Geheimnis von Amprion und TransnetBW.

Die Bezirksregierung hat weggeschaut

Wir hatten bereits festgestellt, dass die Bezirksregierung die Versuche auf Basis von falschen Antragsdaten genehmigt hatte und wohl auch nicht in Kenntnis der einschlägigen 26. BImSchV war (oder nicht sein wollte). Und obwohl wir die BezReg über die Ungereimtheiten informiert hatten, scheint dort niemand die Notwendigkeit eines Eingreifhandelns gesehen zu haben.

Wie man unter solchen Umständen in Zukunft den “Bürgern unter den Ultranet-Trassen” einen gefahrloses Leben vertrauenswürdig vermitteln will, ist angesichts der in Datteln bei der HGÜ-Versuchsanlage gezeigten Informationsverhaltensweisen schleierhaft.

Warten auf die Veröffentlichung der Meßdaten

Die Veröffentlichung der Meßdaten dürfte spannend werden. Und erst recht die Größenordnung der Daten zur Aufnahme in die 26. BImSchV. als Richt-/Grenzwerte für den 0 Hz-Gleichstrom.


Weitere Links zum Thema :


Fotos: © 2012 aufpunkt.de

Tags: , , , , ,

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Sehr geehrte Damen und Herren!

    Ich frage mich, warum endet die Berichterstattung zur Versuchsstrecke 2012 ? Das Ultranet Vorhaben läuft immer noch und aktuelle fur de Planungsabschnitt offen gelegt.
    Bundesfachplanung der Höchstspannungsleitung Osterath-Philippsburg, hier Abschnitt A von Riedstadt nach Mannheim-Wallstadt:
    Auslegung im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit gem. § 9 Abs. 3 Netzausbaubeschleuni- gungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) i.V.m. § 14i des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprü- fung (UVPG)

    MfG
    Edgar Mathis

Schreibe einen Kommentar