Steag Kraftwerk Lünen - Wie glaubhaft sind die Daten der Bezirksregierung?

2. Januar 2015 | Von Neo | Kategorie: Abgas-Skandal, Aktuelles, Der Nichtentschwefelungs-Skandal, Evonik/Steag Lünen K10/K11, Kraftwerk-Skandal, Kraftwerks-Skandal, NOx, REA-Skandal, Rauchgasentschwefelung, VW-Skandal

Upgrade vom 16.01.2015 - Begin:

Wir möchten unseren Artikel über die Frage nach der Entschwefelung/Nichtentschwefelung mit einer kleinen Geschichte ergänzen, welche uns durchaus geeignet erscheint, auf einfache Weise Licht ins Dunkel zu bringen.

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Übrigens: Schrödingers Katze lebt in Lünen, in den REAs des Steag Kraftwerks

Es handelt sich um das Gedankenexperiment unter dem Namen Schrödingers Katze, welches wir empfehlen. Die Quintessenz dieses Gedankenspiels ist sehr einfach:

Wenn Zweifel bestehen, was tatsächlich ´Sache ist´, dann schaue man einfach nach, in Schrödingers Kiste. Das wären in diesem Fall die REAs des Steag-Kraftwerks Lünen.

Upgrade vom 16.01.2015 - End:

Wir hatten bereits mehrfach gezeigt, dass es berechtigte Anzeichen dafür geben könnte, dass deutsche Kohlekraftwerke nicht - den gesetzlichen Vorschriften entsprechend - einer Nass-Entschwefelung zugeführt werden/wurden.

Die aktuellen Sachverhalte sind einfach zu wichtig, als dass wir es uns erlauben könnten, unsere Leser nicht zeitnah auf dem aktuellen Stand der Dinge zu halten. Schließlich geht es um nicht weniger, als um den Erhalt des Deutschen Waldes! Damit entsprechen wir auch dem Sinn/Zweck des Umwelt-Informations-Gesetzes (UIG), nämlich der Information der Öffentlichkeit über Umweltdaten.

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Wir hatten bereits darüber berichtet, dass wir bei der Bezirksregierung in Arnsberg die Emissionsdaten der beiden Lüner Steag-Blöcke (Blöcke 6 und 7 - entsprechend den Kesseln 10 und 11) für die ersten 9 Monate des Jahres 2014 - als Halbstundenmittelwerte - angefragt hatten. Die Steag war sich sicher, dass diese Daten den ordnungsgemäßen Entschwefelungsbetrieb bestätigen würden.

Gegenüber 2013 erklärte sich die Bezirksregierung in 2014 bereit, die Daten in dem angefragten Umfang bereit zu stellen. Dies würde jedoch etwas dauern. Wir erhielten die Daten dann - doch leider ohne die Blockleistungsdaten. Darin sehen wir eine erste Auffälligkeit, da es sich bei der ´Blockleistung´ nicht nur um eine übliche Bezugsgröße, sondern wohl um die wichtigste Bezugsgröße handelt, welche nach dem Leitfaden zur Emissions-Daten-Fernübertragung (Seite 28) zur Plausibilitätsprüfung mitzuübertragen sind.

Im NOVEMBER erhielten wir eine erste Antwort-Post aus Arnsberg. Hier die

K10-November 2014- und die

K11-November 2014- pdf-Dateien (die Kessel 10 und 11 betreffend).

Allerdings ´fehlen´ in den November-Tabellen noch die Daten für den ebenfalls angefragten Monat August 2014.

Im DEZEMBER erhielten wir dann - nach weiterer Nachfrage - eine ergänzende email aus Arnsberg. Hier die

K10-Dezember 2014- und die

K11-Dezember 2014- pdf-Dateien (die Kessel 10 und 11 betreffend).

Der Leser habe bitte ´keine Angst´ vor dem - auf mehrere hundert Seiten ausgedehnten - Umfang der Tabellen. Der interessierte Leser benutze bitte die üblichen Suchfunktionen (Ctrl+F; Beispiel “81.067,28″ führt - ohne die Anführungszeichen zu einer der Auffälligkeiten bei K11 !!!).

Meldung der Auffälligkeiten an den RP - verbunden mit der Bitte um Prüfung

Die uns von der Bezirksregierung in Arnsberg zur Verfügung gestellten Datentabellen weisen einige bemerkenswerte Auffälligkeiten auf, “optisch” und auch “logisch”.

Wir wissen nicht, wer für diese Auffälligkeiten ursächlich infrage kommt.

Wir haben die Bezirksregierung inzwischen (am 21.12.2014) per email um Prüfung der Daten und der Datenquellen gebeten und erwarten die Antwort Anfang 2015.

Gleich mehrere Mehrfach-Nennungen von Abgasvolumenströmen (auf die 2. Stelle nach dem Komma genau) warten auf eine glaubhafte Erklärung

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Hier eine Teilmenge/Auszug aus den Tabellen von K11. Solche ´optischen´Mehrfachnennungen sind gleich mehrfach feststellbar (für beide Kessel). Genau deshalb haben wir Schwierigkeiten, den Daten aus Arnsberg Glauben zu schenken, jedenfalls vorerst nicht. - "Das ginge dem RP sicher genauso", um es mal mit dem Hauptmann von Köpenick zu halten.

Hier gibt´s die ´optischen´ Auffälligkeiten als pdf-Download

Kleine Fotogallerie vom Steag Kraftwerk Lünen - aus dem Anfragezeitraum (auch zum Abgleich der Entschwefelungsaktivitäten geeignet)

Wir hätten dem RP in Arnsberg ja gerne auch Fotos des Lüner Kraftwerks - mit REA-typischer Kaminschwade - beigefügt. Leider konnten/können wir damit nicht dienen. Hier einige Fotos vom Lüner Kraftwerk der Steag.

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Wir haben der Bezirksregierung eine kleine Fotogallerie beigefügt - mit Fotos aus dem Anfragezeitraum.

Zusätzlich gibt es “logische Auffälligkeiten”

“Logisch auffällig” an den Tabellenwerten sind zunächst die den Entschwefelungsdaten entgegenstehenden langfristigen Beobachtungen. Eine Nass-Entschwefelung endet regelmäßig im Temperaturbereich um knapp 50 Grad C (Taupunkttemperatur der REA-Reingase). Die in unseren Breiten üblichen Außentemperaturen liegen deutlich unter dieser Temperatur. Jeder Austritt aus einem Kamin - nach einer Nass-Entschwefelung - führt somit zu einer Abkühlung unter den Taupunkt und somit ins Nebelgebiet. Typisch für den Betrieb einer Nass-REA ist eine satt ausgeprägte Wasserdampfschwade über dem Kaminkopf.

Eine weitere bemerkenswerte “logische Auffälligkeit” liegt in den Abgastemperaturen der Lüner Steag Blöcke. Diese liegen überwiegend im Bereich von 100-130 Grad C. Das ist genau das Gegenteil von energie-effizient. Bei diesen ungewöhnlich hohen Abgastemperaturen (üblich wären Werte um die 8o Grad C an der EMI-Messstelle) stellt sich die Frage, ob hier nicht die Aufsichtsbehörde gefordert ist? Die hohen Temperaturen weisen auf einen hohen Abgaswärmeverlust und einen niedrigen Blockwirkungsgrad, sprich hohen Wärmeverbrauchswert. Das bedeutet einen erhöhten Brennstoffeinsatz und damit absolut höhere Emissionsfrachten, welche ggf. die Antrags-/Genehmigungsdaten überschreiten.

Die hohen Abgastemperaturen weisen auch direkt auf eine Minderleistung des Wärmeverschiebungssystems (REGAVO) rund um die Tail-End-DeNOx-Anlage hin. Die hohen Abgastemperaturen implizieren direkt eine noch höhere REGAVO-Austrittstemperatur (unter der Berücksichtigung einer üblichen Leckage eines Ljungström-Apparates). Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass die Aufheizspanne der REA-Reingase ebenfalls weit hinter den üblichen Planungsdaten zurückbleibt.- Die Nachteile solcher REGAVOs führt inzwischen dazu, dass der Rückbau dieser Apparate kein Tabu mehr darstellt.

Der nachgeschaltete Gasvorwärmer (den wir als HD-beheizt ansetzen), kann - als Folge der Minderleistung des REGAVO - u.E. aufgrund seiner Auslegungsbetriebscharakteristik kaum in der Lage sein, auf die übliche Entstickungstemperatur aufzuheizen. Damit stellt sich die Frage nach einer tatsächlich durchgeführten Entstickung. Auch unter dem Aspekt eines ungewöhnlich hohen Anteils an HD-Dampf, welcher die produzierte elektrische Leistung des/der Blockes/Blöcke überproportional herabsetzte.

Wir haben dem RP in Arnsberg unsere fachliche Unterstützung bei der Klärung dieser Auffälligkeiten angeboten. Aber sicher hat die Bezirksregierung eigene qualifizierte Fachleute, welche für die notwendige Aufklärung sorgen werden.


Fotoquelle:

Schrödinger cat

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3 Kommentare
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  1. Seit Monaten verfolge ich die Dinge hier. Der Mut der Redaktion und das Aufrechterhalten der Behauptungen veranlasst mich, mich etwas einzumischen.

    Nachdem ich las, dass die Redaktion ein ganz besonderes Wagnis mit dem Begehren nach einer REA-Besichtigung des Steag Kraftwerks in Lünen eingegangen ist, und diesem Wunsch ohne jede Begründung nicht entsprochen wurde, so würde ich es jetzt erwarten, dass dieses Begehren vom “Oberschornsteinfeger”, nämlich der Bezirksregierung Arnsberg endlich in den Vordergrund der Aufklärung gestellt wird. Das entspräche dem Überwachungsauftrag von Arnsberg. Und das wäre auch der einfachste und direkteste Weg zur Klärung. Werte Bezirksregierung, lasse Sie es mich hier wissen, ob/wann solch eine Anlagenbegehung stattfinden sollte. Ich werde vor Ort sein.

  2. Wann erfolgt die Selbstanzeige?

  3. einfache antwort: nicht glaubhaft

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