Was E.ON in Datteln plant, beantragt und tatsächlich baut

Inzwischen werden immer deutlichere Unterschiede sichtbar bezüglich dem,

  • was E.ON in Datteln plant
  • was E.ON in Datteln beantragt
  • was E.ON in Datteln tatsächlich baut

Anfang 2006 tauchte eine Zeichnung des Antragstellers E.ON auf, auf der nicht nur 1, sondern sogar 2 Monster-Kraftwerke eingezeichnet sind.

Hier die Originalzeichnung von E.ON mit den 2 Blöcken:

2BloeckeGrafikAusGruenzeug_300×321.jpg

Quelle: Grünzeug der Wählergemeinschaft DieGrünen in Datteln, Ausgabe 04/06

Damit konfrontiert, weist E.ON vehemennt alle Absichten, einen zweiten Block bauen zu wollen, von sich. “Man müsse sich nur alle Optionen für die Zukunft offen halten”, war der sinngemässe Tenor von E.ON im Erörterungstermin.

Wenn E.ON in Datteln wirklich nur 1 Block bauen will, dann sind gleich eine ganze Reihe von Indiztatsachen, die deutlich für einen zweiten Monsterblock sprechen, kaum erklärlich. Es macht einen grossen Unterschied, sich “alle Optionen für die Zukunft offen halten” zu wollen und tatsächlich heute bereits die baulichen Endgültigkeiten zu schaffen, insbesondere wenn diese baulichen Fakten riesige Kapazitäten ausweisen, die sogar - jedenfalls teilweise - noch über den Bedarf für einen 2. Block hinausgehen.

Warum …

  1. beträgt das Kraftwerksgrundstück 65 ha, wo doch eine Fläche von maximal 25 ha ausreichen würde?
  2. ist die vorgehaltene Fläche für die elektrische Einspeiseanlage doppelt so gross wie erforderlich?
  3. wird der Parallelhafen für die Anlieferung der Importkohle für eine wöchentliche Anlieferung von 144.000 t/Woche ausgelegt, wenn doch der maximale Verbrauch allerhöchstens (und nur theoretisch bei einem 7-Tage-Volllastbetrieb) bei 58.800 t/Woche liegen kann?
  4. ist die neue 380-kV Hochspannungstrasse gleich mit einem Doppelsystem gebaut worden, wenn ein System völlig ausreichend ist ? Ein Doppelsystem nach dem aktuellen Stand der Technik kann eine gesicherte (n-1)-Transportkapazität von 2800 MW übertragen (1400 MW je System). Die thermische Grenzleistung eines solchen Systems liegt sogar bei 3050 MVA (1525 MVA je System).
    Datteln4 wird - nach Abzug der Bahnstromleistung - im Regelfall aber nur (1050-413)=637 MW in das 380kV-Netz einspeisen. Damit steht für die Zukunft heute schon (!) eine zusätzliche Anschlusskapazität/Überkapazität für 2 weitere Kraftwerkskolosse von je 1050 MW bereit!
  5. weisen die in den Gutachten errechneten Schallpegel an jeder Stelle einen - für den zweiten Block - ausreichenden ´Reserveabstand´ zu den einzuhaltenden Orientierungs-/Grenzwerten auf? Diese ´Reserven´ sind bestens geeignet, das “Irrelevanz-Kriterium” auch im Falle eines zweiten Kraftwerks-Kolosses einzuhalten!
  6. werden die zentralen Nebengebäude auf dem Gelände so angeordnet, dass einem zweiten Block nichts im Wege steht?
  7. wird der Gleisanschluss so gebaut, dass dieser - ähnlich wie der Parallelhafen - eine Anlieferungskapazität von ebenfalls 144.000 t/Woche ermöglicht. Hafen- und Bahnkapazitäten erreichen damit fast das 6-fache (!) der für 1 Kraftwerkskoloss erforderlichen Kohlemenge?
  8. fordert E.ON, dass bzgl. des Kohletransportes per Bahn “eine zusätzliche Anlieferung aus Richtung Waltrop nicht ausgeschlossen werden darf”, wo doch wegen der heutigen nur 2-gleisigen Unterführung der Löringhofstrasse gar keine Gleisanschlussmöglichkeit/Weiche - ohne erheblichen Bauaufwand - aus Richtung Waltrop in Frage kommt? Und dies vor dem Hintergrund der bereits jetzt schon vorhandenen riesigen Überkapazitäten.
  9. wird im Zuge der 6. Teilgenehmigung (6.TG) ein zusätzliches 110kV-Notstrom-Kabels verlegt, obwohl am Kraftwerksstandort Datteln seit Jahrzehnten eine 35kV-Anbindung an das 50Hz-Ringnetz besteht?
  10. soll der für eine Kühlturmabflutleitung der Nennweite DN300 erforderliche Trassenbereich grundbuchamtlich mit 6 m Breite (+5m) (!!!) abgesichert werden, wenn lt. Fachfirma eine Breite von max. 2,8 m ausreichen würde?
  11. muss ein Beton-Fundament für die neue Rohrbrücke über den DEK die stattlichen Ausmasse von ca. 7 x 8 x 2,5 m (!) haben (mit zusätzlicher Tiefengründung und massiver ganzflächiger Bewehrung), wenn diese Brücke doch im Wesentlichen nur die beiden Fernwärmeleitungen und die DN300-er Abflutleitung aufzunehmen hat?
  12. die Rohwasserentnahme aus dem Dortmund-Ems-Kanal (DEK) für 2×100 Prozent (entsprechend 2×2.3oo m3/h) gebaut wird, wo doch nur max. die Hälfte benötigt wird?
  13. die Vollentsaltzungsanlage (VEA) für 85 m3/h (netto) gebaut wird, als “redundantes System”? Dies kann kaum anders gedeutet werden, als dass auch diese Anlagenkomponente zu 2×100 Prozent ausgeführt wird und somit gleich 2 Blöcke a 1.055 MW mit vollentsalztem Wasser versorgen kann?
  14. weist das inzwischen fast im Rohbau fertiggestellte Flugaschesilo den kolossalen tatsächlichen Durchmesser von ca. 70m auf, gegenüber einem vorgeplanten Durchmesser von ca. 50m, der übrigens auch für den ähnlich grossen E.ON-Kraftwerksblock Staudinger_6 als ausreichend in den aktuellen Planungen angesetzt ist? Das riesige Dattelner Flugaschesilo lässt somit ein ca. 2,7-faches Lagervolumen zu als für nur 1 Block dieser Grösse erforderlich ist. Randfrage: Wo ist das Störfallrisiko-Management für diesen Monster-Staub-Topf? Insbesondere, wenn mit bis zu 5% an brennbaren Flugascherückständen gerechnet werden muss!
  15. muss auf dem Gelände die ungeheure Menge von 150t an hochgiftigem NH3 (Ammoniak=Reduktionsmittel für die DENOx-Anlage) gelagert werden. Diese Menge entspricht ca. dem 5-fachen gegenüber der Lagermenge im Alt-Kraftwerk. Unter Berücksichtigung der 2,5-fachen Feuerungsleistung (2.400 MW gegenüber 945,7 MW - Angaben aus Kap.3.2 des Vorbescheidantrages) ist immer noch eine 2-fach-überdimensionierte NH3-Menge festzuhalten. Für die Versorgung eines zweiten Blockes mit ebenfalls 2.400 MW Feuerungsleistung wären die 150t NH3 dagegen plausibel. - Darauf weist auch der Vergleich mit dem “Schwesterblock Staudinger_6″ hin, für den - in dessen Raumordnungsunterlagen - ein NH3-Bedarf von ca. 83 t/Woche von E.ON angegeben wird.
  16. wartet auf dem östlichen Kraftwerksgelände eine ganze Reihe von mächtigen Rohrbrücken auf ihre Aufstellung/Montage? Warum fallen diese so groß aus? Welche Leitungen sollen hier (noch) ihren Platz finden und wann? Schließlich ist auf diesem Teil des Grundstücks rein Garnichts geplant, oder doch?
  17. beantragt E.ON für die Abflutleitung in Richtung Lippe einen Durchmesser von (nur) 300mm, wenn gleichzeitig diese Leitung auf dem Kraftwerksgelände in DN600-800 bereits ausgeführt wird/wurde ? So ein großer Leitungsdurchmesser ist geeignet, mindestens die 4-fache Menge an ´Dünnsäure-ähnlicher Abflut´ in die Lippe abzuleiten (siehe dazu auch Punkt 10 dieser Liste).
  18. wird die Ammoniak-Lagermenge noch einmal verdoppelt ? Bereits die 150 t in Form von druckverflüssigtem NH3 war geeignet, gleich 2 Monsterkraftwerke mit dem Giftstoff zu versorgen. Die nun im Zuge der Ammoniakwasser-Variante ins Gespräch gebrachte Menge von 1.500 m3 entspricht sogar einer reinen Ammoniakmenge von 353 Tonnen (!). Das wäre das 4-fache von dem, was wöchentlich für einen Block benötigt würde.
  19. wird in Datteln ein Reserve-Generator der ´1.100 MVA-Klasse geparkt´? Selbst ´alte Kraftwerkshasen´ können sich nicht an die Ersatzteilhaltung´ einer solchen Großkomponente in einem anderen Kraftwerk erinnern. - Und wenn doch notwendig, warum wird der Reserve-Generator dann nicht in Maasvlakte geparkt ? Die Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme wäre dort wesentlich höher.

<die Liste wird fortgesetzt>

Die Frage Was in Datteln tatsächlich gebaut wird?” beantwortet sich inzwischen quasi von selbst !